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Beispiel­rede: Abschied in den Ruhestand

Jan leitet den Kundenservice und verabschiedet seine Kollegin Monika nach 31 Jahren in den Ruhestand, bei Kaffee und Kuchen im Besprechungsraum. Eingestellt waren 4 Minuten, locker und humorvoll, herzlich, für das ganze Team. Alle Namen und Geschichten sind erfunden.

Die Rede

Liebe Monika, liebe Kolleginnen und Kollegen,

in unserem Team gibt es eine Regel, die nirgends aufgeschrieben ist und die trotzdem alle kennen: Erst Kaffee, dann Krise. Aufgestellt hat sie Monika. Gehalten hat sie sich daran nie, wenn es wirklich gebrannt hat.

Ich bin Jan, und ich hatte das Glück, die letzten neun Jahre mit Monika im Kundenservice zu arbeiten. Als ich kam, kannte sie jede Durchwahl im Haus, die Hälfte unserer Kunden beim Vornamen und den Trick, mit dem das alte Faxgerät wieder anspringt.

Einunddreißig Jahre war Monika bei uns. Sie hat drei Umzüge des Büros erlebt, vier Telefonanlagen und, wenn ich richtig mitgezählt habe, sieben Chefs. Einer davon steht gerade vor euch und ist ein bisschen nervös.

Wer neu ins Team kam, bekam von Monika am ersten Tag zwei Dinge: eine Liste mit allen Durchwahlen und einen Satz, den wir bis heute auswendig können: „Wer anruft, hat ein Problem. Unseres wird es erst, wenn wir es liegen lassen.“

Die Geschichte, die ich heute erzählen möchte, spielt an einem Freitag im Dezember 2019. Unser größter Kunde brauchte bis Montag eine Ersatzlieferung, und die Spedition hatte abgesagt. Wir saßen ratlos im Büro. Monika hat ihren Mantel angezogen, die Kartons in ihren Kombi geladen und ist losgefahren. Samstagmittag stand sie beim Kunden vor der Tür.

Als wir sie am Montag gefragt haben, warum sie niemandem Bescheid gesagt hat, meinte sie nur: „Ihr hattet doch schon genug Stress.“

Das ist Monika. Sie löst Probleme, bevor andere sie überhaupt als Problem erkannt haben, und macht kein Aufheben darum.

Und dann ist da noch Herbert. Für alle aus den anderen Abteilungen: Herbert ist der Gummibaum am Fenster. Monika hat ihn 2003 als Ableger mitgebracht, heute reicht er bis an die Decke. Sie hat ihn gegossen, gedreht und mit ihm gesprochen, wenn sie dachte, es hört keiner zu. Wir haben es gehört. Wir haben kurz überlegt, ob Herbert mit in den Ruhestand geht. Er bleibt. Er hat ja noch ein paar Jahre bis zur Rente.

Monika, danke. Für die Geduld mit jedem neuen Kollegen, auch mit mir. Für die Kaffeekasse, die als einzige Kasse im Haus immer stimmt. Und dafür, dass du uns gezeigt hast, dass guter Service kein Satz im Leitbild ist, sondern ein Kombi voller Kartons an einem Samstag.

Du hast erzählt, dass du im Ruhestand endlich den Jakobsweg gehen willst. Deshalb bekommst du von uns allen einen Gutschein für Wanderschuhe. Einen Gutschein, weil keiner von uns deine Schuhgröße kennt. Nach einunddreißig Jahren. Das ist uns ein bisschen peinlich.

Um Herbert kümmern wir uns. Versprochen.

Bitte hebt eure Tassen. Auf Monika und ihr nächstes Kapitel.

Warum diese Rede funktioniert

  • Wertschätzung statt Leistungsbilanz: Die Rede nennt keine Kennzahlen und keine Projekte. Sie zeigt Monika in einem einzigen Moment, und alle wissen, wer sie ist.
  • Insider, die jeder versteht: Die Regel „Erst Kaffee, dann Krise“ und der Gummibaum Herbert werden in einem Satz erklärt, damit auch die Gäste aus anderen Abteilungen mitlachen.
  • Humor auf eigene Kosten: Der nervöse Chef und die unbekannte Schuhgröße machen Jan zur Pointe, nicht Monika.
  • Ein Geschenk als Übergang: Die Übergabe folgt aus dem, was Monika vorhat, und leitet zum Schluss über.
  • Ein Callback zum Ende: Herbert kommt kurz vor dem Toast zurück und macht aus einem Insider ein Versprechen.

Stand: 26.09.2026

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